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Gr. Priel

25. 9. 2021
Peter Schrammel
Wetter: wolkenlos
Wegverlauf
Parkplatz Schiederweiher, 605m - Prielschutzhaus, 1420m - Brotfallscharte, 2320m - Gr. Priel, 2515m - Brotfallscharte - Prielschutzhaus - Parkplatz Schiederweiher
Höhenmeter: 2010m
Weglänge: 23km
Zeitaufwand: 8 1/4h (2 + 2 1/4 + 1/2 + 1/2 + 1 1/4 + 1 3/4)
Bewertung: ******: Lange, alpine Tour auf das Dach des Toten Gebirges: Ausblick von Großvenediger bis Schneeberg
Kondition: I
Schwierigkeit: I, A-B: zum Prielschutzhaus: durchwegs felsiger Weg mit einigen Klampfen und Seilsicherungen A/0; Steilstufe nach der Weggabelung oberhalb der Hütte 0+; Brotfallscharte: fast durchgehend mit Drahtseil gesichert; rutschige Querung über Rinnen zu Beginn A-B, I; einige Steilstufen A-B/I-; nach schottrigem Mittelteil eine 3m hohe senkrechte Wandstufe I; zuletzt über breite Felsbänder zur Scharte A-B/0+; Gipfelgrat ein paar Stufen zu Beginn 0+
Gefährlichkeit: 5: zum Prielschutzhaus: verdeckte Steilabstürze in den Querungen nach dem Wasserfall 4; zum Fuß der Brotfallscharte 2; Brotfallscharte durchgehend 5; 5m breiter Gipfelgrat zumeist 3-4, an einer Stelle führt der breite Weg an den Südabstürzen vorbei 4
Frequentiertheit: e: extrem beliebt. Ca. 200 Leute waren an diesem Tag auf dem Gipfel; weitere 50 auf dem Weg zur Hütte, um den Gipfel am nächsten Tag zu besteigen.
Bemerkungen: Es gibt nur kostenpflichtige Parkplätze. Der Tälerbus fährt bis zum Polsterstüberl. Zufahrt mit MTB bis nach Polsterstüberl erlaubt.
Bericht
Kaiserwetter war angesagt für diesen Samstag. Da ich zu Sonnenaufgang weggehen wollte, fuhr ich kurz for 5 Uhr nach Grünau im Almtal. Ich hatte zuvor nachgeschaut, wie es mit der Zufahrt zum Almtaler Haus aussähe. Dabei ist mir aber nicht aufgefallen, dass die Hetzau-Straße von 15. September bis 15. Oktober gesperrt ist. So musste ich vor gesperrtem Schranken wieder umdrehen. Einem Gmunder ging es genauso. Kurzerhand entschied ich mich, die Tour von Hinterstoder aus zu gehen. Die Sonne ging auf, als gerade über den Ziehberg fuhr. Um 7:15 war ich beim Parkplatz Schiederweiher und wenig später marschierte ich los. Beim Schiederweiher standen zwei Fotografen, die auf den Moment warteten, dass sich der Bodennebel lichtete. Flotten Schrittes ging ich taleinwärts am Polsterstüberl vorbei, bis zur Weggabelung vor der Materialseilbahn. Einige Bergsteiger hatten sich den Zustieg verkürzt und versteckten ihre Räder im Dickicht. Es waren einige Bergsteiger unterwegs, die sich alle je nach Rhythmus gegenseitig überholten. Der Steig ist breit, aber felsig. Vor einem Wasserfall wurde die Sicht frei über den Talboden, wo die Bäume noch immer in ein sanft wogendes Nebelmeer getaucht waren. Nach einer Querung eines Grabens, steigt der Weg im Hochwald neben und unter der Materialseilbahn zum Prielschutzhaus hinauf. Immer wieder bekommt man Blicke auf die mächtige Ostwand der Spitzmauer, zu derer Rechten der Mond unterging. Um 9:30 war ich bei der Hütte und aß den ersten Teil meiner Jause, um gestärkt in die zweite Halbzeit zu gehen. Die Hüttenterrasse war gut gefüllt und einige Klettersteiggeher schlängelten sich den Zustieg hinauf. Einige wenige folgten dem Weg zur Spitzmauer; die meisten wählten den Normalweg über die Brotfallscharte. Unter den Felsspitzen des Brotfalls zieht der Weg gemächlich ansteigend hinüber ins Kühkar. Die Klettersteiggeher auf dem Südostgrat zeigten sich immer wieder. Über einen Sattel gelangt man in das immer noch schneegefüllte obere Kühkar, das man dann südseitig in einem Geröllfeld umgeht, um die Felsrampen auf die Brotfallscharte zu erreichen. Der Fels war teilweise glatt und das dicke Drahtseile mancherorts ausgerissen. Vorsicht war gefragt beim Ausweichen und Überholen. Griffe und Tritte sind aber überall reichlich vorhanden. Vorbei an einer Höhle gelangte ich gegen 11:45 auf die Scharte. Dort blies ein kalter Wind entgegen – das Panoram war dafür umso erwärmender. Dachstein und Hohe Tauern sind von hier schon sichtbar. Über Schotter und Felsstufen, vorbei an schneegefüllten Dolinen und Karren und zuletzt über den nicht allzu schmalen Gipfelgrat erreichte ich um 12:20 das riesige rote Gipfelkreuz, das seit der Hütte deutlich sichtbar war. Es waren sicher 50 Leute auf dem Gipfel, aber es ist ausreichend Platz für jeden. Das Panorama reichte von Schneeberg bis Großvenediger und vom Hausruck bis in die Seetaler Alpen, und natürlich über das Karstplateau des Toten Gebirges. Der Klettersteig endet direkt beim Gipfelkreuz. Einige Tschechen und Ungarn waren auch dabei und genossen die Aussicht. Um 13:20 begann ich mit dem Abstieg, der durchwegs ständige Konzentration erfordert – man kann sich fast nirgends ausrasten und die Beine einfach laufen lassen. Bei der Hütte herrschte Hochbetrieb. Ich wollte mich noch im Attersee abkühlen. Daher hielt ich mich nicht lange auf und aß noch schnell einen Apfel. Um 17:20 erreichte ich den Parkplatz und um 18:30 schwamm ich in den Fluten des Attersees.